Franz Hohler: Gleis 4

Wir alle kennen Situationen wie diese: Mit vollen Koffern auf dem Weg zum Flughafen, dann fällt die Rolltreppe aus und man muss das schwere Ding zu Fuß die Treppe hochwuchten – kein besonders galanter Start in den Urlaub. Trotzdem würde ich – wahrscheinlich wie viele andere auch – angebotene Hilfe in dieser Situation ablehnen. Die Blöße will man sich ja auch nicht geben, man schafft das schon alleine.

Isabelle aber, die Hauptfigur in Hohlers Roman „Gleis 4“, hat sich selbst das Versprechen abgenommen, sich helfen zu lassen. Und so antwortet sie auf die Frage „Kann ich Ihnen helfen?“ in ebenjener Koffer-Situation mit „Ja, gerne“. Der ältere Herr der ihr dann den Koffer die Treppe hoch trägt fällt allerdings im Anschluss daran tot um. Isabelle fühlt sich irgenwie verpflichtet, sagt den eigentlich geplanten Urlaub ab und fängt stattdessen an, über das Leben des Verstorbenen zu recherchieren: Sie freundet sich mit dessen kanadischer Witwe an und die beiden Frauen arbeiten sich durch Aufzeichnungen und Behördengänge zusammen mit Isabelles Tochter Sarah langsam bis in die früheste Jugend des Toten vor und erfahren, was ihn vor vielen Jahren dazu bewog, von der Schweiz nach Kanada auszuwandern.

Die Geschichte ist nicht uninteressant, wirkt allerdings vor allem gegen Ende auf mich teilweise schon etwas zu konstruiert. Die drei Damen (Isabelle, Tochter Sarah und die Witwe Veronique) sind aus meiner Sicht ziemlich blass geblieben, von keiner hab ich mich fasziniert oder gefesselt gefühlt. Etwas aufgesetzt hat auf mich auch der Nebenhandlungsstrang gewirkt, in dem sich Tochter Sarah mit ihren afrikanischen Wurzeln beschäftigt, das aber offenbar zum ersten Mal in ihrem 22-jährigen Leben.
Insgesamt: Nette Unterhaltung wenn das Bücherregal gerade nichts anderes hergibt

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