Osang/ Reich: Wo warst Du? Ein Septembertag in New York

Der Titel des Buches hat mich gleich angesprochen – das Drama 9/11 erzählt aus persönlicher Perspektive, von einer deutschen Familie die zu dieser Zeit in New York City weilt, weil Alexander Osang dort als Spiegel-Korrespondent tätig ist. Genau wie der Titel lässt auch der Klappentext vermuten, dass Osang bereits in Manhatten ist, als der Anschlag passiert und die Türme einstüzen, während seine Frau (ebenfalls Journalistin) mit den beiden kleinen Kindern in Brooklyn weilt.

Doch beim Lesen des Buches wird klar: Osang ist zu Hause als das erste Flugzeug in den Turm rast. Er geht mit seiner Frau auf’s Dach, sieht die Rauchwolken und entscheidet sich dann – als guter Reporter – nach Manhatten zu fahren. Nur deshalb steht er 200 Meter entfernt, als Turm zwei zusammenstürzt. Er wird unter der Aschewolke begraben und schließlich in einen Keller evakuiert, der bereits gefüllt ist mit Menschen, die vor der Katastrophe fliehen konnten – und ihr nicht in die Arme gerannt sind.

Abwechselnd schildern Osang und seine Frau Anja Reich wie sie den Tag erlebt haben und füllen das erste Viertel des Buches damit, den vollkommen alltäglichen Morgen des 11. Septembers zu beschreiben. Das Buch nimmt etwas Fahrt auf von dem Moment an, als Osang unterwegs ist und Reich zu Hause die Kinder hütet. Während in Deutschland alle hysterisch werden, bastelt sie einen Hampelmann aus Pappe mit der zweijährigen Tochter.

Denoch hat das Buch für mich nicht gehalten, was Titel und Klappentext (zugegebenermaßen etwas reißerisch) versprechen – das „Schicksal“ der Familie am 11. September ist selbst gewählt, während andere Familien an diesem Tag außereinander brechen ist Osang auf der Jagd nach einer guten Geschichte.

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